Nachfolgend einige Meilensteine in der Geschichte der Wetzlarer Singakademie.

1999

Bernhard Steiners Nachfolger als Chordirektor am Stadttheater wurde Jan Hoffmann. Nun schon einer Tradition folgend, übernahm er die musikalische Leitung der beiden in einer Gemeinschaft wirkenden Chöre Konzertverein Gießen und Wetzlarer Singakademie sowie des Kammerchores Gießen-Wetzlar. Auch er setzt die Bestrebungen seiner Vorgänger Martin Gärtner und Bernhard Steiner fort: die Sängerinnen und Sänger zu aufeinander abgestimmter Intonation, zu Präzision in Tongebung und Aussprache fortzubilden. Seine Erfahrungen als Sänger, aber auch als akademischer Lehrer und Chordirektor der jährlichen "Ludwigsburger Festspiele" haben dazu beigetragen, dass die Chorgemeinschaft fast als ‚professioneller' Klangkörper vor das Publikum tritt. Er bereicherte das Repertoire des Chors weiter um Kompositionen des 20. Jahrhunderts aus England (Edward Elgar, Vaughan Williams, John Rutter, Sir Michael Tippett) und, letzter Glanzpunkt der Chorgeschichte, um die 1964 komponierte lateinamerikanische "Misa Criolla" des Argentiniers Ariel Ramirez, die im Sommer 2007 zusammen mit dem peruanischen Vokal- und Instrumentalensemble "Gupo Alturas" das Publikum in Wetzlar und Gießen begeisterte.

1995

Nach nur einer Spielzeit wurde Bernhard Steiner als Chordirektor an das Stadttheater Gießen berufen. Neben ‚Weaner Charme' (er hatte dort die "Wiener Sängerknaben" mit einstudiert) brachte er eine Vorliebe für kammermusikalisches Singen mit. Auf seine Initiative hin wurde der "Kammerchor Gießen-Wetzlar" gegründet, in dem sich zunächst jüngere Sängerinnen und Sänger aus den beiden Oratorienchören dem à-Ca¬pella-Gesang widmeten. Bereits kurz nach seiner Gründung errang der Kammerchor bei einem internationalen Chorwettbewerb in Budapest den Dritten Preis der Jury. Auch Bernhard Steiner wandte sich nach drei Spielzeiten neuen Aufgaben zu und verließ das Stadttheater./p>

1994

Nach dem Fortgang Martin Gärtners wurde die Stelle des Chordirektors des Stadttheaters Gießen interimistisch Andreas Ortwein aus Lollar übertragen. Unter ihm studierte die Chorgemeinschaft ein wirklich ‚modernes' Werk ein: das 1944 entstandene "In Terra Pax" von Frank Martin, das im November 1994 in Erinnerung an die verheerenden Luftangriffe, denen die Städte Gießen und Wetzlar fünfzig Jahre zuvor zum Opfer gefallen waren, aufgeführt wurde.

Sommer 1992

Die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Gießen, seinem Generalmusikdirektor und seinem Chordirektor als musikalischer Leiter der Singakademie hatte sich während der beiden vergangenen Jahrzehnte als überaus fruchtbar erwiesen. Deswegen trug der Vorstand dem neuen Chordirektor des Theaters, Martin Gärtner, die Nachfolge als musikalischer Leiter des Chores an. Walter E. Hamel blieb auch im Ruhestand der Wetzlarer Singakademie als Ehrenmitglied verbunden. Martin Gärtner blieb zu unserem Bedauern nur zwei Spielzeiten in Gießen, prägte in diesen beiden Jahren aber stark Programmatik und Qualität des Chores. Zunehmend wurden auch Werke mit weltlichem Inhalt und vor allen von Komponisten des 20. Jahrhunderts einstudiert; stimmbildnerisches Einsingen und Präzision bei der Tonbildung ergänzten zunehmend das Erlernen der Töne./p>

Februar 1971

Dem Vereinsvorstand gelang es, den Chordirektor des Stadttheaters Gießen, Walter E. Hamel als musikalischen Leiter der Singakademie zu gewinnen. Mit ihm, der bis zu seiner Pensionierung im Mai 1992 das Programm mitbestimmte, kam es zu einer dauerhaften Chorgemeinschaft mit dem Chor des Konzertvereins Gießen, der zunächst noch von dem Generalmusikdirektor des Stadttheaters, Gerd Heidger einstudiert wurde. Beide Chöre studierten dieselben Werke ein und führten sie gemeinsam sowohl im Rahmen der Sinfoniekonzerte des Stadttheaters Gießen wie auch der Abonnementkonzerte der Wetzlarer Kulturgemeinschaft, nunmehr regelmäßig im Wetzlarer Dom auf (Wetzlarer Domkonzerte). Letzteres führte dazu, dass im Repertoire Oratorien geistlichen Inhalts überwogen. Walter E. Hamel war auch musikalischer Leiter des Chorvereins Bad Hersfeld und Dirigent der "Sangesfreunde Pohlheim", einem Männerchor, der unter seiner Leitung gar manchen Preis bei Chorwettstreiten des Hessischen Rundfunks gewann. So kam es in den folgenden Jahren zu einer regelmäßigen Zusammenarbeit seiner verschiedenen Chöre; Mitglieder der Singakademie und des Konzertvereins Gießen verstärken dem Chorverein Bad Hersfeld; Sängerinnen und vor allem Sänger von dort unterstützten uns bei unseren Aufführungen in Wetzlar und Gießen. 1978 stießen auch die stimmkräftigen Sangesfreunde Pohlheim zu uns und gaben den Männerstimmen die für Guiseppe Verdis "Requiem" erforderliche Kraft. Die drei heimischen Chöre vereinten sich im Dezember 1978 mit dem "Philips-Chor" aus dem niederländischen Eindhoven, um zusammen mit dem Flämischen Jugendorchester in Westende und im Palais des Beaux Arts in Brüssel unter der Stabführung des flämischen Dirigenten Hendrik Rijckens diese dramatische Totenmesse aufzuführen. Wieder ein Glanzpunkt unseres Vereinslebens.

Oktober 1970

Nach Dr. Cremers überraschendem Tod übernimmt der Bad Hersfelder Kantor Siegfried Heinrich das Dirigat und studiert Beethovens "Missa Solemmnis" ein, die an der Seite der Bad Hersfelder Kantorei und anderer Chöre im November 1970 im Großen Haus des Frankfurter Theaters und in der Jahrhunderthalle in Höchst unter der Leitung des renommierten Christoph von Dohnany aufgeführt wird. Ohne Zweifel ein weiterer Höhepunkt in der Chorgeschichte, aber einer, der nicht nur gute Gefühle aufkommen ließ. Dass Siegfried Heinrich die Chorproben von wechselnden Korrepetitoren leiten ließ, dass er die Wetzlarer Singakademie in einen aus mehreren Chören und sich wechselnd zusammenfindenden Sängerinnen und Sängern bestehenden "Projektchor" einbinden wollte, stieß unter den Vereinsmitgliedern auf Widerspruch.

Mai 1949

Gustav Adolf Schlemm legt die musikalische Leitung des Chors nieder, um sich vermehrt dem Komponieren zuzuwenden; auch verlässt er bald darauf Wetzlar, um an seine frühere Wirkungsstätte Berlin zurückzukehren. Die Singakademie findet in dem in Marburg wohnenden Generalmusikdirektor des Pfalzorchesters Dr. Ernst Cremer einen Nachfolger, der in den nächsten zwanzig Jahren mit der Wetzlarer Singakademie und dem Marburger Philharmonischen Chor 66 Chorproduktionen einstudiert, darunter sechs Opern, die zwischen 1953 und 1961 anlässlich der Wetzlarer Industrie Festspiele (heute: Wetzlarer Festspiele) auf der Freilichtbühne des Rosengärtchens aufgeführt wurden. Weitere Aufführungsorte waren Marburg, Gießen, Herborn, Haiger, Bad Homburg, Dillenburg, Niederscheld, Wiesbaden und, einer der Höhepunkte in der Geschichte des Chores, Avignon und Nimes anlässlich der Gründung der deutsch-französischen Städtepartnerschaft im April 1958.

5. April 1948

Gründung des gemeinnützigen Vereins "Wetzlarer Singakademie" unter anderen durch die Vorsitzende der Wetzlarer Kulturgemeinschaft Dr. Elsie Kühn-Leitz, den in Wetzlar lebenden Komponisten Gustav Adolf Schlemm und den Richter am Amtsgericht Wetzlar Heinz Bomm. Einem am 3. Januar 1948 in der Wetzlarer Zeitung veröffentlichten Aufruf zur Gründung eines Oratorienchors waren rund sechzig sangesfreudige Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Der Verein wurde in das Vereinsregister beim Amtsgericht Wetzlar eingetragen. Die musikalische Leitung übernahm zunächst Gustav Adolf Schlemm; als erste Produktion wurde die Matthäuspassion von J.S. Bach einstudiert und im April 1948 zusammen mit dem Chor des Konzertvereins Gießen in den beiden Nachbarstädten aufgeführt. In den folgenden zwölf Monaten kam es zu weiteren acht Auftritten mit Chorwerken von Beethoven, Reger und J.S. Bach.